Mittwoch, 13. Februar 2008

Disconnecting People

ah ja, der Herr Polloi... wieder einmal sehr geil:


















(via)


Ich persönlich finde das Ganze eigentlich nicht ungewöhnlich. Moralisch verwerflich... hmm, vielleicht irgendwie schon, aber so wird es oft sein, sofern Subventionen im Spiel sind. Es sind keine Unternehmer wie Bosch oder weiß weiß ich, Krupp ist ein schönes Beispiel für Fordern und Geben, die sich persönlich für das Wohl ihrer Mitarbeiter interessieren, die soziale Verantwortung ergreifen. Davon kann man sich aber getrost verabschieden, wenn es um Subventionen geht. Die Investion Bochum wird sich inzwischen (mit oder ohne Hilfe der Subvention) amortisiert haben bzw. auf Dauer gegenüber einem Standortwechsel eine schlechtere Rendite erzielt haben. Klar, man braucht keine Facharbeiter, Zelte abbrechen...
Wenn der Staat (oder das Bundesland) erst so etwas braucht, um zu reagieren, und wenn Subventionen an solch kurze Verweildauer (10 Jahre) pro Standort geknüpft sind, dann brauch man sich nicht wundern. Und eine Bank, die nicht rafft, dass ihre Auflagen für die Subventionen nicht erfüllt wurdemn, und jetzt feststellen, dass sie 41 (!!!!) Millionen zuviel gezahlt haben.
Aber vielleicht verlaufen sie das Werk ja mal wieder an BenQ, dann dauert das Ganze nur 2 Jahre länger und es heißt nicht länger, das NOKIA den Karren in den Dreck gefahren hat. Hat ja schließlich schonmal funktioniert.
An Imageverlusten geht damit nicht besonders viel einher... Was interessiert den (globalen) Kunden mehr, Arbeitsplatzabbau in Bochum oder ein marktfähiges (sprich: preisgünstiges) Handy? Das kann man sich sicher selber beantworten... Und ich werd mir sowieso wieder ein NOKIA holen, weil ich mit den anderen erst wieder schreiben lernen müßte.

Was ich persönlich viel schlimmer finde, ist die Aktion, die das Filetstück der inzwischen Arcandor AG betitelten Konzernmutter, die Quelle GmbH, an den Tag legt. Die 3 Call-Center des Quelle-Versandhandels in Essen, Leipzig und Chemnitz mit zusammen rund 560 Mitarbeitern werden Mitte des Jahres geschlossen. Die Call Center in Chemnitz und Leipzig würden zum 31. Mai stillgelegt, das Essener zum 31. Juli, hieß es.
Mit den lokalen Betriebsräten sollen nun Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan für die Beschäftigten aufgenommen werden. Sprich: Gehst du hier! So, und jetzt dürft ihr dreimal raten, wann die Bindungsfristen für die Subventionen des Augbau Ost abgelaufen sind.... Naaaa? Richtig! So, was ist jetzt aber mit den Kunden, die CallCenter hatten ja auch irgendeinen Sinn!
Und deshalb eröffnet die Quelle GmbH auch gleich 3 neue, in Magdeburg, Berlin (da wurde bereits vorher CallCenter geschlossen und jetzt auf neuer Fläche "neu" eröffnet) und Cottbus. Für alle 3 neuen Standorte sind natürlich Anträge auf Investitionsförderung gestellt worden. Künftig würden dort ca. 1300 neue Stellen geschaffen. Die modernen Zentren seien wettbewerbsfähiger und besser für die Betreuung der wachsenden Zahl an Internet-Kunden ausgerüstet.

Gut, klingt natürlich gar nicht soooo schlecht, neben den Subventionen abgrasen, wenigstens neue Stellen geschaffen... Es geht aber noch weiter... Die Mitarbeiter an den neuen Standorten erhalten 500 Euro weniger, haben weniger Urlaub und eine höhere Wochenarbeitszeit (42 Stunden). Die Einstiegsgehälter liegen im Bereich 1100 Euro brutto, und da die meisten nur in teilzeit arbeiten, läßt sich das Unternehmen dann so die Differenz zum Marktüblichen (und auch vorher gezahlten) Tariflohn durch Hartz 4 Zuschüsse begünstigen.

Und jetzt bin ich mal gespannt, wann die Bindugsfrist dort abläuft. Vielleicht können die Rumänen bis dahin besser akzentfrei Deutsch als das wir Ossis jemals lernen könnten... Dann kann Qualle in das alte NOKIA Werk dahin gehen und NOKIA wird bis dahin in Weißrussland herstellen. YAY!

Kommentare:

m.k.. hat gesagt…

...okay, das studium hat spuren hinterlassen sehe ich ja noch ein - aber mit diesem statement favoriosierst du einen homo oeconomicus den es nicht gibt...
vielleicht doch mal wieder den menschen an erster stelle setzen und wen interessiert ob du den namen deines handys schreiben kannst? vielleicht gibt es nicht nur tote käufer denen egal ist wer dahinter steckt? vielleicht hätte es sonst keine aufschreie gegeben wenn jeder nur billig-produzierte mobiltelefone haben wollen würde?
...in einem weltkonzern zu arbeiten bedeutet elite - aber elite heißt auch verantwortung...!!!!
bistt du nur noch zuschauer??

???????

Hart aber fair hat gesagt…

:-)
ich sprach aber bei MEINER kaufentscheidung mitnichten von einem möglichst billigen Handy, sondern von einer Vorliebe für NOKIA aufgrund der Beienbarkeit.
ich würde ich im Thema NOKIA als Realist bezeichnen, von daher gehe ich halt davon aus, das ausserhalb von Deutschland es den Leuten noch egaler ist wie denen innerhalb von Deutschland in 4 Wochen (wejn es aus der Presse ist), ob NOKIA 3000 Leute entläßt. Ist halt der Weltmarkt.

Damit spiegele ich nicht meine persönliche Meinung zu Jobabbau und Preiskampf wieder. Nur die fachliche.

P.S. Und arbeiten in einem Weltkonzern hat sowas von nix mit elite zu tun... und elite sowas von nix mit verantwortung, vor allem nicht sozialer.

wie gesagt, es war mal so in Zeiten richtiger Unternehmer...und nur für den Fall, das das wirklich missverstanden werden konnte, DIESE einstellung entspricht meiner einstellung.